Mädchen- und Jungenförderung

Mit dem Leitgedanken einer geschlechtersensiblen Koedukation werden am Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal zeitweise getrennt-geschlechtliche Angebote gemacht.

Im Jahrgang 9 wird der Mädchen- und der Jungengruppe jeder Klasse auf der Grundlage emanzipatorischer Jugendarbeit 14-tägig doppelstündig Raum für Reflexionen bei gleichen Themen mit zum Teil unterschiedlichen Schwerpunkten gegeben.

Im Rahmen dieser Stunden werden bei geschlechtersensibler Betrachtung Themenbereiche wie Selbstwahrnehmung, Selbstdarstellung und Selbstbehauptung sowie Beziehungsaspekte behandelt. Dabei spielt die Wahrnehmung von und der Umgang mit Körperlichkeiten bei den verwendeten Methoden aus dem Bereich der Theater- sowie Abenteuer- und Erlebnispädagogik eine ebenso wichtige Rolle wie die kognitive Verarbeitung im Gruppengespräch, in Präsentationen und Podiumsdiskussionen, in Rollenspielen, Videoaufnahmen und deren Analysen.

Erste Anwendungen erfahren Mädchen wie Jungen im Rahmen des in der Jahrgangsstufe 9 durchgeführten Betriebspraktikums, das dementsprechend hier vor- und nachbereitet wird. Ebenso findet AIDS-Prophylaxe in diesen Stunden Raum. Nicht nur in diesem Zusammenhang wird die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern forciert. Diese geschieht z.B. durch Theaterbesuche, den Besuch anderer externer Lernstätten oder die Hinzunahme externer Experten und wird insbesondere bei weiteren sensiblen Themenbereichen wie dem Konflikttraining oder dem Umgang mit Mobbing favorisiert.


 

Mädchenförderung „Girls‘ Power“
Selbstsicherheits-, Selbstbehauptungs- und Konflikttraining für Mädchen der Jahrgangsstufe 9

Das Programm zum Selbstsicherheitstraining für Mädchen ist ein Konzept, das mit Unterstützung des Innenministeriums NRW, der VHS Oberbergischer Kreis, dem Polizeifortbildungsinstitut Neuss sowie den Kommissariaten Vorbeugung des Landes NRW entwickelt wurde. Das Konzept wird seit 1998 an unserer Schule durchgeführt.

Hintergründe des Konzeptes:
Der Selbstsicherheitskurs für Mädchen soll diese befähigen, sich durch Aufklärung, selbstbewusstes Auftreten und Hintergrundwissen vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Das Selbstsicherheitstraining dient der Vorbeugung (nicht der Therapie). Es soll verhindern, dass Mädchen Opfer sexueller Gewalt werden.

Ziele für die Mädchen :
  • männliche und weibliche Sozialisierung zu erkennen und zu problematisieren (Ursprungsfamilie, Fernsehen, Peer-Group, Werbung, Vorbilder), die dazu beitragen, Opfer oder Täter zu werden,
  • Gefahren im Internet erkennen
  • Selbstwertgefühl stärken, selbstbewusste Verhaltensweisen im Alltag fördern,
  • Verhaltensweisen lernen, die verhindern, als Opfer gewählt zu werden,
  • Einleitung der Verhaltensänderung durch neue Erfahrungen (Körpersprache, Kommunikationsverhalten),
  • Umgang mit Gefühlen von Ohnmacht-Macht, Gewinnen-Verlieren, Eskalation-Deeskalation, Hilflosigkeit, Scham,
  • ein Rechtsbewusstsein zu entwickeln, über Erkenntnisse, rechtliche und persönliche Fragen zur Gewalt an Mädchen und Frauen (u.a. Vergewaltigung)
  • Erkenntnisse über Täter und Tatverlauf gewinnen,
  • ein Verhaltensrepertoire zu entwickeln, um sich deutlich gegenüber dem Jungen (Mann) abzugrenzen (Neinsagen),
  • Vertrauen entwickeln in die eigene Handlungskompetenz und Stärke :
  • in Konfliktsituationen, unter Stress, im Umgang mit Gefühlen, unter der Einwirkung von Aggressionen, in Angriffssituationen.
Wie werden die Ziele vermittelt ?
  • Vertrauens- und Bewegungsspiele
  • Klein- und Großgruppenarbeit und – Gespräche
  • Rollenspiele
  • Expertenvorträge (Kripo, Jugendamt, Gleichstellungsstelle, Frauen helfen Frauen-Beratungsstelle, Frauenärztin)

 

Jungenförderung
„Selbst-Bewusstseins“- und Konflikttraining für die Jungen der Jahrgangsstufe 9

Der Schwerpunkt der Jungenarbeit kann als „Selbst-Bewusstseins“- und Konflikttraining benannt werden. Hierbei geht es um Unterstützung und Orientierung dabei, neue Erfahrungen bei der Suche nach einer eigenen männlichen Identität auf dem Weg ins Erwachsenenleben anzubieten.

Inhaltliche Schwerpunkte und Ziele:
  • Die Stärkung kommunikativer Kompetenz in nonverbaler und verbaler Kommunikation.
  • Die Entwicklung eines Bewusstseins für eigene Gefühle und Sichtweisen sowie die Wirkung des eigenen Verhaltens auf andere.
  • Die Entwicklung und Stärkung des Selbstwertgefühls sowie Förderung selbstbewussten Verhaltens im Alltag.
  • Eine kritische Reflexion der männlichen und weiblichen Geschlechterrollen und Sozialisierung in der Jungenentwicklung auf der Grundlage von Selbsterfahrungen in der Auseinandersetzung mit der eigenen männlichen Identität.
  • Die Thematisierung menschlicher Beziehungen: Werte, Normen, Grenzen und den Umgang mit Grenzsetzung bzw. Grenzverletzung und in Folge dessen das Entwickeln effektiver Strategien zur gewaltfreien Konfliktbewältigung. Dabei spielen ebenfalls kriminologische Gesichtspunkte, Aspekte von Sexualstraftaten und die Entwicklung von Unrechtsbewusstsein eine Rolle, was zu einer Sensibilisierung für Gewalt an Mädchen und Frauen (aber auch an Jungen und Männern) und der Entwicklung von Empathie für die Opfer beitragen soll.
  • Als allgemeine Zielsetzung kann hier die Entwicklung von Vertrauen in die eigene Handlungskompetenz und Stärke auch in Konfliktsituationen, unter Stress, im Umgang mit Gefühlen, z.B. unter Wahrnehmung eigener Aggressionen auch unter Wahrnehmung von Ablehnung und Grenzsetzung formuliert werden.